Die Schweizerinnen möchten mit Brändlis Insiderwissen den Bronzecoup von 2014 wiederholen
Das 1:2 am Montag im Halbfinal gegen Kanada, die bislang knappste Schweizer Niederlage in einem Duell mit den Dominatorinnen des Frauen-Eishockeys, war zwar eine Ehrenmeldung, mehr jedoch nicht. «Wir sind hierhergekommen, um eine Medaille zu gewinnen», erinnert Nationaltrainer Colin Muller. «Jetzt haben wir es in den eigenen Händen. Wir wissen, dass wir die Schwedinnen schlagen können. Ich bin zuversichtlich, dass wir das tun werden.»
Die Schweizerinnen entschieden drei der letzten vier Direktduelle mit den Schwedinnen für sich. Zuletzt gewannen sie kurz vor den Olympischen Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Testspiel in Wollerau 4:2.
Brändlis Insiderwissen
Eine, die ihre Gegnerinnen im Bronzespiel sehr gut kennt, ist Andrea Brändli. Die Schweizer Torhüterin spielt seit 2023 in Schweden, drei ihrer Teamkolleginnen bei Frölunda sind in Mailand Teil des schwedischen Olympia-Teams. «Klar, das hilft mir definitiv», sagt die Zürcherin. «Ich kenne ihre Tricks und kann auch ihre Körpersprache deuten.» Brändli war beim 1:0-Sieg im Viertelfinal gegen Finnland mit 40 Paraden die überragende Akteurin. Gegen Kanada wehrte sie 44 von 46 Schüssen ab.
Nach den vielen späten Partien am Abend war Brändli froh, gab es zuletzt zwei spielfreie Tage. Ausschlafen und das Auskurieren von Wehwehchen waren angesagt. «Und jetzt müssen wir nochmals über 60 Minuten Vollgas geben. Ein Schritt fehlt noch», sagt Brändli. Die 28-Jährige aus Kloten stand schon im Tor, als die Schweizerinnen vor vier Jahren in Peking im Spiel um Bronze Finnland 0:4 unterlagen.
Diesen letzten Schritt wollen allerdings auch die Schwedinnen machen, um zum dritten Mal nach Bronze 2002 in Salt Lake City und Silber 2006 in Turin eine olympische Medaille zu gewinnen. Der Weg der Skandinavierinnen ins Spiel um Platz 3 verlief dabei komplett anders. Im Gegensatz zur Schweiz waren sie in Mailand in der Vorrunde in der schwächeren Gruppe eingeteilt. Nach Siegen über Deutschland (4:1), Italien (6:1), Frankreich (4:0) und Japan (4:0) eliminierten sie im Viertelfinal mit 2:0 die Tschechinnen. Auch im Halbfinal gegen die USA (0:5) hielten sie lange Zeit gut mit.
Ein Déjà-vu
Teamleaderin Alina Müller, mit drei Toren und zwei Assists aus sechs Partien die Schweizer Topskorerin an diesem Turnier, blickt dem Bronze-Spiel mit Zuversicht entgegen: «Die Schwedinnen sind definitiv schlagbar. Wir dürfen nicht viele Strafen kassieren, denn im Powerplay sind sie gut. Aber sonst müssen wir uns nicht verstecken. Wir sind läuferisch besser und kämpfen besser als Team.»
Für Müller fühlt es sich wie ein Déjà-vu an: Schon 2014 in Sotschi unterlagen die Schweizerinnen im Halbfinal Kanada (1:3) nur knapp und spielten danach gegen Schweden um Bronze. Doch bei aller Ähnlichkeit der Ausgangslage will Müller keine allzu grossen Vergleiche ziehen. «Wir sind heute auf einem ganz anderen Level als damals», sagt die Winterthurerin, die in Sotschi als 15-Jährige ihr Olympia-Debüt gab und im Spiel um Platz 3 das Siegtor zum 4:2 erzielte. «Aber wenn es am Ende wieder so ausgehen würde wie damals, hätte ich natürlich nichts dagegen.» (riz/sda)
